29. November 2005
Sonntag bin ich mit viel Glueck in einem Taxibrousse gelandet, mit dem ich es geschafft habe in sage und schreibe 6 Stunden nach Lomé, der Hauptstadt Togos, zu kommen.
Als erstes habe ich den ASAten Maggi aufgesucht und mir ein wenig sein Projekt erklaeren und zeigen lassen.
Heute ging s dann 20 Mal quer durch die Stadt: Kenne jetzt (mit einer Ausnahme) alle Buchlaeden Lomés.
War ganz interessant, habe zwei interessanter Buecher gefunden, hatte aber gehofft auch ein wenig zu Welt/Togo Politik aus afrikanischer Sicht zu finden, dazu gab s aber eher nix. Naja vielleicht verkauft man zu dem Thema hier am besten keine Buecher.
Aber in Ougadougou, Hauptstadt Burkina Faso, werde ich in zwei Wochen sicher was finden.
Ansonsten ging s zum groessten und allerschoensten Markt der Welt (??gibt s bessere? ??), dem “grand marché” von Lomé.
Mittags ging s, zugegebenermassen etwas dekadent, ins bayerische Marox ( muss ja langsam wieder in die Realitaet zurueckkommen - Das bayerische Marox ist über schwarz blau-weiß-schwarze Kontaktperson Franz -Josef-Strauss nach Lomé gekommen ), leider gab s heute keine Knoedel, aber ein Schnitzel und ein kleines EKU (in Togo gebraut).
Letztendlich ist Lomé gar nicht so gross,
auf dem Hinweg Mitte August bin ich ja schon mal durchgekommen, damals fand ich sehr anstrengend und chaotisch , in der Zwischenzeit, auch verglichen mit Ougadougou eher ueberschaubar und vollkommen unstressig.
Ansonsten wohne ich gerade bei M, der mit zwei Studis zusammenwohnt. Gibt zwar kein fliessend Wasser, aber man gewoehnt sich auch recht rasch daran Wasser aus einem Brunnen zu holen.
So, des wars fuer heut.
Gruesse,
Nic
27. November 2005
So jetzt bin ich gerade in Sokodé.
Kleiner Rueckblick:
Am Freitag frueh wars mal wieder echt frisch, hatte nur 29 Grad. Sowas wie Schnee gibt s hier natuerlich nicht, und keiner kann sich vorstellen wie so etwas sein koennte.
Nachmittags gepackt und geputzt ausserdem mussten wir beim Bischof vorbeigeschauen, und seinen ewigen Monologen lauschen.
Abends hatten wir unsere Abschiedsparty mit fuenfzehn Leuten, bin aber echt enttaeuscht, dass keiner von euch vorbeigeschaut hat… .
… aber ansonsten war die Feier super: nette Leute, gutes Essen, gute Musik… .
Am Samstag frueh hiess es um 6 aufstehen, sich von meinem Zimmermitbewohner, dem Gecko “Kossi” verabschieden ( unsere Kuechengeckos haben uebrigens Nachwuchs beommen…), zum Buschtaxibahnhof hetzen (man koennte ja ein Taxi verpassen), und bis halb zwoelf warten bis das Buschtaxi endlich voll ist.
Fuer die 300 km bis Sokodé haben wir dann die ueblichen 7 (sieben) Stunden gebraucht: Dauernd steigen Leute und aus, zwischendurch muss man Buschtaxi wechseln, mitten im Wald haelt man an und drueckt solange auf die Hupe bis aus dem Nichts Leute mit Holz auftauchen mit dem das Taxi dann vollgeladen wird, dann gibt s die ganzen Kontrollen, die Schlagloecher, Huehner, die Babys, die StrassenVerkauefer die zwischendurch den MiniBus belagern, Streitgespraeche ueber den Fahrpreis… “togoisch-Reisen” halt.
Abends dann in meinem “Campement” angekommen, und heute morgen endlich mal Gebaeude auds deutscher Kolonialzeit gesehen (Praefektur, Gefaengnis, Schule) und wie immer einen der Maerkte besucht, die sind hier naemlich wirklich toll.
Ach so, damit ich nicht alleine reisen muss habe ich mir in Dapaong noch ein paar Freunde besorgt:
Hatte 3 Tage lang ganz leichte Magenschmerzen, in Togo heisst das in die Klinik gehen und tatsaechlich haben sich im meinem Magen Parasiten eingenistet. D.h. am Freitag Medikamente schlucken, na und jetzt muessten sie tot sein, vorsichtshalber nehme ich aber am Mittwoch noch mal ne Portion. Nicht weiter schlimm, solche Viecher haben hier in Dapaong fast alle, wo sie herkommen keine Ahnung, kann angeblich durch alles sein, sogar durch geschaeltes Obst etc.
Morgen geht s dann nach Lome weiter wird noch einmal ne Tagesreise werden, dort werde ich aber dann ein paar Tage bleiben. Also bis bald!
Schoene Gruesse,
Nic
24. November 2005
Die letzte Woche ist erwartungsgemaess schnell vergangen, haben es geschafft mit allem rechtzeitig fertig zu werden.
Unterm Strich sind wir mit den Ergebnissen unseres Aufenthaltes superzufrieden!!
Haben noch zwei “Pintades” gekauft, die werden dann morgen fuer unsere Party geschlachtet.
Und am Samstag geht s in den Sueden: Erster Zwischenstopp vor Lomé wird Sokodé, die zweitgroesste Stadt Togos, sein.
Bis die Tage…
18. November 2005
Hiermit lade ich euch alle herzlich zu meiner Abschiedsparty in Dapaong ein.
Freitag 25.11.05 um 19.00
Fuer das leibliche Wohl ist bestens gesorgt (Fufu, Pintade mit sauce d’ arachide, Tchapallo).
Uebernachtungsgelegenheiten koennen fuer auslaendische Gaeste organisiert werden.
Ueber zahlreiches Kommen freut sich…
…der Nic
Nach der Feier geht s dann gleich am Samstag 600 km nach Sueden ans Meer.
Dort werde ich dann ein wenig in Lome und Kpalime verweilen, um anschliessend nach Ougadougou (Burkina Faso) zu fahren, um am 12.12 zurueckzufliegen.
Freue mich schon nocheinmal fuer zwei Wochen rumreisen zu koennen.
Arbeitstechnisch sind wir auch noch gut dabei, die Scherzkekse vom OCDI haben uns auf den letzten Drücker noch mal zwei weibliche Bewerber aufgebrummt…
was eigentlich gut ist, wir haben seit September dauernd erwaehnt, dass es mehr weibliche Bewerber geben sollte, aber in der letzten Woche ist das halt eher unguenstig, u.a. weil somit keine wirkliche Einarbeitung moeglich, sollten sie sich als die Besten BEwerber erweisen.
Das bedeutet, dass die Woche echt nochmal ein bisschen stressiger wird… macht aber auch nix.
Ouen ninja! ( = Moba und bedeutet: “Bis die Tage”)
Nic
17. November 2005
Das Internet ist heute richtig flott, sowas gab s noch nie!
Tja, ansonsten naehert sich mein Aufenthalt in Dapaong dem Ende zu, nur noch 10 TAge,
dies bedeutet viel Arbeit,
Freizeitstress, das Vorbereiten einer kleinen Abschiedsparty, einige kleine Abschiedsgeschenke besorgen, einen Bericht fuers ASA-Programm verfassen, eine handvoll Treffen mit unseren Chefs um ein paar noch nicht 100 % geklaerte Sachen auszuchecken …. unsere Priester sind echt die besten.
Letzten Sonntag sind wir in Cinkassé gewesen einem Staedtchen an der Grenze zu Ghana und Burkina Faso mit einem GIGANTISCHEN Markt.
Die ganze Stadt ist im Prinzip ein Markt, es gibt richtig viel zu kaufen, denn vom internationalen Hafen in Lome wird ein Grossteil der Waren mit Lastwaegen, die in Schildkroetengeschwindigkeit auf der internationalen Strasse ( werde euch Fotos von ihr mitbringen) gen Norden kriechen, nach Cinkassé gebracht, um von dort aus die Waren in andere Laender zu bringen.
Eine filmreife Szene gab es als wir uns erkundigten, ob wir ein Foto von einer genialen Moschee machen duerfen…wir wurden in die grosse Villa des Praefekten der Region geschickt, als wir sie betraten, sass er Erhaben in einem gemuetlichen Sessel der auf einen Marmorpodium stand, zwei Dutzend Frauen und Maenner lagen zu seinen Fuessen und lauschten seinen Worten. Es war wie in 1001 NAcht, wir mussten unsere Schuhe ausziehen und unser Anliegen vortragen, und zum Abschied hat der Typ mich gefragt, ob ich ihm K zur Heirat ueberlassen kann, dass ich darauf “Mal schauen” geantwortet habe, fand K, gelinde gesagt, nicht so toll…..
Nach einem wunderschoenen Nachmittag sind wir mit gefuellten Rucksaecken (Ja, Rashid fuer dich habe ich auch etwas ganz Tolles gefunden) gemuetlich in Taxi-brousse nach Dapaong zureuckgetuckert .
Sonst hat s jetzt schon seit ueber einem Monat nicht mehr geregnet.
Frankreichs Armee hat sich am Flughafen in Lomé niedergelassen, u.a. um einsatzfaehig zu sein, falls es in der Elfenbeinkueste krachen sollte.
Boese Zungen behaupten, dass sie auch als Zweitauftrag haben, Togos Herrscher zu beschuetzen… gibt ja son ne nette militaerische Kooperation mit Verteidigungpakt zwischen Frankreich und Togo.
Tja was fuer Europa Amerika ist (imperialistisch, eigene Interssen mit allen Mitteln durchsetzen) ist fuer die Afrikaner Frankreich (insbesondere Chirac und Konsorten).
Mit Militaer und “Diplomatie” omnipraesent in Afrika, in Besitz von Nuklaerwaffen und Flugzeugtraeger, sprich eine Weltmacht, die ihre Interessen vertritt und HassobjektNummer 1 jedes Westafrikaners, aufgrund der nicht wirklich unparteiischen Einmischung zugunsten dubioser Regimes, die den Willen der Bevoelkerung nicht vertreten…. .
So das war s fuer heute.
Beste Gruesse aus Dapaong,
Nic
12. November 2005
Gibt grad nicht viele Neuigkeiten…
Morgen geht s mit dem Buschtaxi zur Grenzstadt (zu Burkina) “Cinkassé”, da solls einen riesigen MArkt geben, und Maerkte sind hier in Westafrika wirklich toll.
Abends sind wir dann noch zum Essen eingeladen…
Na und sonst bewegen wir uns auf Projektende zu, nur noch zwei Wochen in DAPAONG…
Haben eine ganz normale (Arbeits)woche ohne besonderen Erlebnissen hinter uns gebracht.
Das Wetter heute ist ultraanstrengend, das zerlegt einen, sch… “Harmattan” (=Staubwind).
Naechste Woche muessen wir noch den Bischof besuchen, ein, zwei Arbeitsnachmittage mit unserem Chef verbringen und das Jugendzentrum mit den zukuenftigen “Sozpaeds” oeffnen.
Schoene Gruesse,
Nic
07. November 2005
Wir haben gestern mit unserem Automechanikerfreund (G II) eine wunderschoene Mopedtour in verschiedene Doerfer gemacht.
Wurden ueberall sehr freundlich empfangen und mit Geschenken ueberhaeuft (seltsame Wurzeln, Erdnuesse, seltsame Bohnen, Pintadeeier…), haben einiges erlebt und gesehen sowie wunderschoene Fotos machen koennen, dass Wetter war, wie jeden Tag, herrlich. 12 STd. Sonnenschein, eine angenehme Temperatur… .
NA ich kann es mir heute leider nicht verkneifen noch ein paar besserwisserische Kommentare zur Politik abzugeben:
Was mit den Fluechtlingen in Marroko, Libyen passiert ist schon laengst bekannt,
keine Ahnung warum die Presse seit zwei Monaten von nix anderem redet, wo sie davor jahrelang nur geschwiegen hat.
War schon laengst eine bekannte Tatsache, dass die Fluechtlinge von Militärs haeufig in der Wueste ausgesetzt werden,
aber wenn s einem, trotz Beweise, (fast) keiner glaubt….. .
Die Waffen, das Knowhow fuers “Grenzmanagement” kommt von der EU. Das Militaer in Marokko wird von der EU zur Fluechtlingsabwehr finanziert (50.000 000 Euro wenn ich mich recht entsinne) War auch ANfang 2005 dass u.a. neben Kampfhubschraubern, Waffen 6000 Leichensaecke an Libyen zur Grenzsicherung geschickt wurde.
So schnell wurde Ghaddafi, der von Europa bis dato als Terrorist gehandelt wurde (der zur Achse des Boesen gehoert?), ein guter Freund Europas, insbesondere Berlusconis.
Frankreichs brennende “Banlieus” (die von Saint Etienne, meiner “Praktikumsstadt”, sind an dritter Stelle dabei) sind auch keine Ueberraschung: eine (trotz geringer Bemuehungen) seit 50 Jahren verfehlte Stadt- und Wohnungsplanung,
Einsparungen in diesem Jahrzehnt an sozialen Einrichtungen insbesondere in auch in den “quartiers sensibles”,
wachsende soziale Ungerechtigkeit,
sowie eine seit Jahren äußerst radikale “zero tolerance” Politik (Beckstein ist ein Dreck dagegen - eher ähnlich Schill-Hamburg), schuert nur den Hass ohne die Probleme zu loesen…
und wenn dann ein geistiger Brandsstifter wie Sarkozy auch noch solche Parolen raushaut, braucht er sich nicht wundern, dass es kracht. Die Reaktion der benachteiligten Jugendlichen auf solche Sprüche sind in keinster Weise eine Überraschung - die Jugendlichen aus diesen Vierteln reagieren genau auf solche Aussagen sehr sensibel.
Neue Politiker braucht das Land!
Tja, dass sind dann auch so Parallelen zwischen Nord (Europa) und Sued (Afrika):
Die allermeisten Jugendlichen die Stress machen, haben schon von Geburt an (Aufwachsen in bestimmten Stadtvierteln OHNE Perspektiven…) die Arschkarte gezogen.
So jetzt verschone ich euch mit meinen besserwisserischen politischen Statements, aber das musste mal gesagt werden.
Bis die Tage,
Gruss,
Nic