30. August 2006
Letztendlich habe ich bereits am Montag mit dem Arbeiten abgefangen.
Ich habe ein eigenes bestens ausgestattetes Buero bekommen.
Zudem hat man bei der UNO den Luxus jeden vormittag (7.30) von einem der Fahrer abgeholt und abends (17.30) zurueckgebracht zu werden.
Mittags geht s fuer einen Euro in die Kantine, ich werde uebrigens langsam richtiger Fischfan.
Ansonsten habe ich jetzt ein Funkgeraet bekommen (Falls das Telefonnetz nicht funktioniert bzw. um im Notfall, wenn saemtliche Telefon- Stromnetze abgeschaltet werden weiterhin kommunizieren zu koennen).
Der Arbeitsalltag besteht momentan in erster Linie darin Berichte, Fachbuecher etc. zu lesen (habe am ersten Tag einen riesigen Stapel mit davon bekommen), aber immerhin hab ich schon einen Flyer mitgestaltet, an unterschiedlichen Besprechungen teilgenommen und wurde dem Chef von der obersten Asylbehoerde Guineas vorgestellt mit dem ich wohl sehr oft zu tun haben werde.
Auf der Arbeit habe ich keinen Handyempfang, anrufen koennt ihr am besten ab 6 Uhr (wenn bei euch 8 Uhr ist) wenn ich wieder daheim bin .
Naryador gibt folgende Empfehlung:
Telefonvorwahlen gibt es unter http://www.teltarife.de/
Momentan empfiehlt sich z.B. 010029 oder 010017 oder 01057 fuer ca. 10 ct/min aus dem deutschen FESTNETZ. Achtung: Die Preise koennen sich schnell aendern, im Zweifelsfall also nochmal nachpruefen, ob sich viel geaendert hat.
Bezueglich der Arbeit noch ein paar naehere Details.
Ich bin in der “Protection Unit” die fuer den Schutz der Fluechtlinge zustaendig ist.
Da Fluechtlinge keinen (Herkunfts)staat haben, auf den sie zaehlen koennnen da sie verfolgt werden, steht Ihnen nach internationalem Recht der Schutz durch den UNHCR zu.
Schutz bedeutet hier nicht nur ‘koerperliche Unversehrheit” sondern auch z.B. rechtlicher Schutz.
Beispiel: wird einer der Fluechtlinge unrechtsmaessig in Guinea inhaftiert ist fuer diesen Fall auch der UNHCR dafuer zustaendig seine Freilassung bei der guineischen Regierung zu erwirken.
Andere Arbeitsfelder in meiner Abteilung ist die Beobachtung der Durchfuehrung der Asylverfahren (fuer Eingeweihte: Frueher gab s Prima Facie Anerkennungen - jetzt nicht mehr),
sowie die Bearbeitung aller Anliegen der Fluechtlinge auch in Form von Einzelgespraechen.
Innerhalb der Protection Unit gibt s noch die “services communautaires” die, als Sozialpaedagoge, einer meiner Hauptarbeitsbereiche darstellen wird. Hier sind wir zustaendig fuer das ‘Management’ der medizinischen Versorgung aller Fluechtlinge, dem Aufbau von selbstverwalteten Kooperativen (z.B. im Handwerksbereich), sowie der Gewaehrung von Zuschuessen in Einzelfaellen bei sozialen Problemlagen und Beratung zu allen Themen. Bei der aktuellen wirtschaftlichen Situation gehoeren eigentlich alle Fluechtlinge in diese Kategorie… .
Die meisten Fluechtlinge sind schon seit mehreren Jahren da (Ausnahme Elfenbeinkueste), in Conakry wohnen die Fluechtlinge in ganz normalen Stadtteilen.
An der Grenze zu Liberia und Sierra Leone hingegen gibt es noch ‘typische’ Fluechtlingscamps und settlements.
E sist gut moeglich, dass ich auch Mal fuer einen Monat in einer anderen Stadt bei den Fluechtlingscamps arbeiten werden - mal schauen.
Bezogen auf Freizeit gibt s gerade nicht viel zu berichten: Nach der Arbeit noch ein bisschen mit ein paar Leuten schwaetzen die auch in der Mission wohnen und Essen gehen.
Auf die genialen Inseln vor Conakry kann man momentan noch nicht fahren, da das Meer zu stuermisch ist, aber in ein, zwei klappts vielleicht mal.
Soviel fuer heute.
PS: Die magische Gabel ist ein gut verstecktes Restaurant, dass man nur (!) kennenlernen kann wenn man hingefuehrt wird.
27. August 2006
Ab sofort bin ich auch in Guinea auf Handy erreichbar.
Die Nummer lautet XXX . Vorwahl fuer Guinea ist evtl 00224 oder 0224.
Hat jemand von Euch eine billige Vorwahl gefunden, teilt sie mir bitte mit, damit ich sie hier bekandgeben kann.
Es kann eventuell sein, dass ich trotz “Empfang” schwer erreichbar bin, denn das Handynetz funktioniert hier nicht so wirklich, vielleicht klappt s aber auch immer ganz gut - mal schauen.
Um genau zu sein funktioniert hier in Conakry nichts so wirklich, weder die Wasserversorgung (aus der Leitung) noch das Stromnetz.
Auch die allgemeine Lage in Guinea ist prekaer, da es bergab geht.
Auch in Togo und Burkina nimmt die Armut eher zu, aber laengst nicht so stark wie hier in Guinea, wo eine sehr starke Inflation herrscht, die Reispreise ins unermessliche steigen, die Strom und Wasserversorgung immer schlechter funktioniert und die politische Zukunft ungewiss ist.
Gestern abend bin ich in der “Magischen Gabel” (fourchette magique) gewesen, ein richtig toller Ort, den alle kennenlernen werden die mich besuchen werden.
Ansonsten bin ich heute frueh ein wenig am Meer entlanggewandert ( das Meer ist ca. 5 Minuten von mir entfernt), der Regen ist endlich vorbei aber viele Stadtviertel Conakrys (Conakry ist von der Flaeche angeblich wesentlich groesser als Paris) sind immer noch nicht zugaenglich, da ausserhalb des Stadtzentrums die Strassen nicht geteert sind.
Mehrere andere Grossstaedte Guineas sind momentan angeblich auch nicht (oder nur mit Flugzeug oder Gelaendewagen) erreichbar, da die Strassen komplett weggespuelt worden sind, bzw unter dem Gewicht vollkommen ueberlasteter Lastwaegen ‘weggerutscht” sind.
Die Verkaeufer sind hier nicht so aufdringlich wie in Burkina Faso und Togo, dafuer gibt es mehr Leute die einen ein bisschen “ueber s Ohr hauen” wollen, aber mit einer guten Portion Menschenkenntnis kann man auch mit denen ganz gut umgehen (Standarttrick ist in Guinea: “Wir kennen uns, erkennst du mich nicht mehr, ich bin der Polizist der deinen Einreisestempel fuer den Pass gegeben hat, du musst mit 4 Euro geben, damit ich tanken kann, ich bringe dir das Geld heute abend wieder) - aber wie schon oefters gesagt vor Ueberfaellen braucht man keine Angst zu haben, es wird nur versucht ahnungslose Europaer ein wenig abzuzocken.
Fluechtlinge:
Die Fluechtlingsroute ist gerade wieder im Wandel, die Grenze verschiebt sich nach Sueden: Nachdem es immer schwieriger wird von Senegal aus die Kanarischen Inseln zu erreichen (vgl. z.B. heutige taz http://www.taz.de/pt/2006/08/26/a0119.1/text
“Lieferung von Militärmaterial aus Spanien: ein Hubschrauber, zwei Schnellboote, 20 Geländewagen, 50 Strandmotorräder, dazu Nachtsichtgeräte und mobile Radaranlagen.”
“Zugleich werden illegale Einwanderer aus den Nachbarländern Gambia und Guinea-Bissau, die über Senegal den Weg nach Europa suchen, regelmäßig festgenommen und zu Haftstrafen verurteilt, ebenso senegalesische Bürger.”)
wird seit neuestem versucht von Guinea die Inseln zu erreichen, was natuerlich noch wesentlich gefaehrlicher ist.
Soviel fuer heute,
Nic
26. August 2006
Bis heute morgen hat es durchgeregnet, seitdem scheint endlich mal die Sonne.
Heute nur wenig neue Infos, da ich gerade wenig Zeit habe (mich gleich noch mit einigen anderen Leuten.
Geld: Hier in Conakry ist alles grenzenlos billig, wenn man die Preise mit denen von den FCFA Laendern, darunter Togo vergleicht…
Wasser ist als Europaer fast kostenlos, eine Flasche Cola kostet 15 cent, Taxi fahren ist superbillig - unter finanziellen Problemen werde ich unter keinen Umstaenden leiden.
Mein Zimmer kostet inkl. Fruehstueck auch nur 6 Euro pro Nacht.
Die Tage bin ich ansonsten recht viel mit einem Kollegen unterwegs gewesen, der auch in der gleichen Unterkunft wohnt.
Strom gibt s hier in Kaloum (dem Stadtteil in dem ich wohne) nicht wirklich ohne Unterbrechung, und das obwohl gerade Regenzeit ist und ich im “luxerioesten” Stadtteil wohne. Macht aber auch nichts an, die Stromausfaelle gewoehnt man sich recht schnell.
Sehr interessant welche Laender im Bereich “Entwicklungshilfe” taetig sind: Libyen, Amerika, Iran, Frankreich, Deutschland, Libanon…. .
Ansonsten habe ich ein wunderschoenes “afro-kubanisches” Restaurant entdeckt in dem regelmaessig Live-Musik gespielt wird … wunderbar.
Meine letzten Vorbereitungen vor Arbeitsbeginn laufen gerade auch schon, da man aufgrund des Regens nicht allzuviel unternehmen klann bin ich gerade am eberlegen, ob ich nicht doch schon am Montag mit dem arbeiten Anfang um eine Woche mehr Urlaub zu haben, mal schauen.
Im Rahmen der Arbeit werde ich wohl auch 1-x Mal nach Ost- und Suedguinea (ca 600-800 km entfernt) fliegen, konkreteres weiss ich aber noch nicht.
So meine halbe Stunde Internet geht dem Ende entgegen, die Tage gibt es mal wieder ausfuehrlichere Berichte.
Schoene Gruesse,
Nic
24. August 2006
Beste Gruesse aus Guinea!!!
Ankunft:
Nach einem geruhsamen Flug mit Zwischenstopp Casablanca bin ich gestern frueh wie geplant in Conakry angekommen.
Dort wurde ich vom UNHCR abgeholt - zum Glueck mit Gelaendewagen denn die Strasse zum Flughafen (ca. 15 km) sieht aus wie nach einem Krieg… .
Es ging erstmal gleich zur Zentrale, wo ich allen Kollegen vorgestellt worden bin und mein erstes Briefing erhalten habe - dazu spaeter mehr.
Anschliessend ging es mit einem Kollegen zum Geld *tauschen* und danach zur Mission catholique, direkt im Stadtzentrum am grossen #marche du niger# .
Die Unterkunft ist sehr gut.
Dort wohnt noch ein paar Auslaender (Leute aus anderen afrikanischen Staaaten, ein paar europaeische Touristen, Entwicklungshelfer, Praktikanten) sowie Guineer.
Meine Arbeitskollegen, sowie die “Mitbewohner” sind alle sehr nett.
So habe ich mich tagsueber einigen Franzosen angeschlossen, um die Stadt zu erkunden (palais du peuple, kommunistische Denkmaeler und Gebaeude aus der Zeit Sekou Toures, *le grand parc* mit einem gigantischen futuristischem Kinderspielplatz , Meer etc…. .
Conakry ist laut, aber nicht allzu chaotisch und mitunter lassen sich auch schoene Flecken finden.
Und Conakry ist NASS.
Wie ihr dem letzten Beitrag entnehmen koennt ist gerade Regenzeit, es regnet seit 48 Stunden fast pausenlos und sehr stark, mitunter sind Strassen ueberschwemmt auch wenn es in der Innenstadt noch geht.
Sobald man ein Gebaueude verlaesst ist man meistens innerhalb weniger Sekunden tropfnass, macht aber nix dass Wetter und Klima ist mit 25 Grad ‘(!) sehr angenehm und die Klamotten trocknen wahnsinnig schnell und 10 x am Tag Klamotten wechseln ist auch stressig.
Vorteil ist zudem, dass es fast keine Moskitos gibt.
Geld: Die Inflation ist momentan recht stark, wenn man einkaufen geht sollte man eine Tasche mitnehmen um das ganze Geld transportieren zu koennen, es gibt naemlich nur Scheine, keine Muenzen, ich weiss jetzt wie schnell man einen Koffer mit Geld fuellen kann…. .
Ansonsten gilt “C est l afrique” de l ouest - d.h. Vieles in Guinea funktioniert und ist wie in Togo und somit nichts Neues fuer mich, was ich ganz gut finde da ich so sehr schnell eingelebt habe, bzw einleben werde und mich auf die Arbeit konzentrieren kann.
Arbeit beim UNHCR:
Wie bereits erweaehnt habe ich einen sehr positiven Eindruck von meinen Kollegen bekommen.
Neben
zin paar Europaern, sogenannten “internationals”, arbeiten hauptsaechlich “nationals”, also Guineer, beim UNHCR.
Es steht vollkommen ausser Frage, dass dies die spannendste Arbeit sein wird die ich je gemacht haben werde… der UNHCR hat unendlich viel zu tun, wenig Personal. Es scheint als waere man als Praktikant mehr oder minder ein vollwertiger Mitarbeiter.
Ansonsten war die Beschreibung meiner Arbeit bzw. der Beschreibung der Arbeit vor einigen Beitraegen recht zutreffend.
Der UNHCR als Verwaltungorganisation kuemmert sich um die Asylverfahren, dem Rechtsschutz (Menschen- und Fluechtlingsrechte), der UNHCR macht viele field visits um die Lage in den Fluechtlingscamps und “Stadtvierteln in denen viele Fluechtlinge wohnen,
dazu kommt, dass taeglich aus unterschiedlichsten Gruenden bis zu 80 Fluechtlinge aus unterschiedlichsten Gruenden zum UNHCR kommen.
Es gibt viele Treffen mit den Vertretern der Fluechtlinge in Guinea.
Die meisten Mitarbeiter haben 3-4 Themenfelder fuer die sie zustaendig sind(z.B. Einzelfaelle bearbeiten, Thema “Fluechtlingskinder”, Thema “Inhaftierungen”) .
Eins meiner Einsatzfelder ausserhalb der “Protection Unit” der ich angesiedelt bin wird mit Sicherheit die Abteilung ” Soziales” sein, in der dieses Jahr noch Einiges ansteht.
Alles in allem wird die Arbeit mit absoluter Sicherheit sehr interessant werden.
Starten werde ich erst am 1. September, bis dahin habe ich noch Urlaub.
Anschluss an sympathischen Leuten werde ich ueber die Mission auch ohne Probleme bekommen.
Guinea hat fuer mich sehr gut begonnen!
Politik:
Der Praesident ist letzte Woche aus der Schweiz, wo er aerztlich behandelt worden ist, wieder zurueckgekehrt.
Sonstiges:
War heute noch bei der deutschen Botschaft, es sind momentan ca. 100 Deutsche in Guinea.
Telefon habe ich NOCH keins, Mitteilungen geben kann man in DRINGENDEN Faellen ( wenn es dann gerade Strom und Telefon gibt - das ist hier in Conakry nie so sicher und das obwohl Conakry eine zwei-Millionen Hauptstadt ist) :
XXX
Beim UNHCR (Protection Unit):
XXX
Viele schoene Gruesse aus Guinea an Euch alle!!
Nic
PS: Fuer Rechtschreibfehler ist mitunter die ungewohnte Tastatur verantwortlich.
PPS: Bitte wuenscht mir ein wenig Sonnenschein…. und etwas weniger tropischen Regen.
PPS: Falls ihr (Detail)Fragen habt, oder ich manche Sachen fuer euren Geschmack nicht ausfuehrlich genug/zu ausfuehrlich beschreibe teilt mir das doch bitte per Mail oder Kommentar mit.
09. August 2006
Die letzten Vorbereitungen laufen auf Hochtouren.
Heute noch ein wenig “Standartausrüstung” gekauft, d.h. 5 Flaschen Autan (drei habe ich nochauf Reserve) um die Moskitos zu vertreiben, 5 Flaschen Sonnencreme, tropentaugliche Klamotten, zwei Bücher…
jetzt kann es eigentlich schon fast losgehen.
Bei meiner Ankunft in Conakry ist noch Regenzeit - diese dauert noch bis ca. Mitte September - es sind ziemlich heftige Regenfälle zu erwarten - in nur ca. drei Monaten kann die Niederschlagsmenge bis zu 4000 mm betragen.
In Nürnberg beträgt die jährliche (!) Niederschlagsmenge zwischen 600 und 800 mm.
01. August 2006
Nach Conakry werde ich definitiv am 22.08.2006 fliegen.
Bis zum 01. September habe ich dann noch Zeit vor Ort eine Wohnung zu finden.
Es existiert ab sofort eine Seite mit einigen (aktuell 11) Fotos aus Togo… in Guinea werde ich versuchen auf diese Homepage regelmäßig neue Fotos hochzuladen.
Die Adresse lautet:
http://krautwiggla.de/nic/gallery