28. September 2006
… grade ist es wieder mal passiert, wie quasi taeglich:
Mein gmx account teilt mir mit:
Lieber Internet Nutzer,
online am 28.09.2006 um 17:45 Uhr
Unser Zufallsgenerator hat Sie SOEBEN unter allen Usern, die momentan auf dieser Seite online sind, eingeladen, einen BMW zu gewinnen.
Falls eingeladen, hier klicken:
Wer nicht mitspielt kann nicht gewinnen… stimmt… ich mach trotzdem nicht mit.
Osterhasen gibt s hier auch uebrigens auch schon im Supermarkt.
Dabei geht es doch stark auf Weihnachten zu.
Zu der Anmerkung, dass es hier evtl. keine Bodenschaetze gibt:
Genau das Gegenteil ist der Fall! Guinea besitzt reichhaltige Bodenschaetze, auch fuer den Ackerbau ist das Klima und der Boden bestens geeignet.
Guinea ist Weltexporteur von Bauxit, es werden massig Diamanten gefunden (angeblich ein Milliardengeschaeft!) und gibt viele Goldminen in denen tonnenweise Gold abgebaut wird.
Die Frage die sich die gesamte Bevoelkerung stellt :
Warum geht es dem Land so schlecht?
Abgesehen von der Reichtumselite die hier fuer Westafrika verhaeltnismaessig gross ist, findet sich folgende Situation:
Selbst in der Hauptstadt hungern (aber nicht verhungern!) die Leute, die zweitgroesste Stadt mit angeblich ueber 500.000 Einwohnern hat kein Strom, selbst die Trinkwasserversorgung bricht in manchen Stadtvierteln der Hauptstadt zusammen… .
Ansonsten rockt hier der Ramadan. Auch fuer viele meine Kollegen heisst es:
“ora et labora” - beten und arbeiten.
Viele Restaurants haben geschlossen, d.h. ab jetzt gehe ich mit meinen Freunden noch ein bisschen oefters zum Chinesen, dort gibt s sowieso leckere Sachen.
So, jetzt fahr ich nach Hause, am Wochenende gibt s dann mal wieder einen laengeren Bericht.
Da habe ich sogar drei Tage am Stueck frei da am Montag Feiertag (Tag der Unabhaengigkeit) ist.
Vielleicht schaffe ich es dann auch mal meine drei-vier Fotos von meiner Unterkunft upzuloaden.
Danke fuer Mails und Kommentare.
Wie ueblich habe ich eure Adressen nicht:
Wer mir seine schickt, bekommt eine Postkarte -falls sie ankommt- , versprochen.
Bis denn bald+schoene Gruesse!
Nic
24. September 2006
Heute begann der Ramadan - das ganze Leben steht ein wenig still.
Viele Restaurants haben in den naechsten Wochen komplett geschlossen.
Und auch meine Arbeitskollegen, die zum groessten Teil Muslime sind, fasten.
Hier gibt es uebrigens auch ein Ministerium fuer islamische Angelegenheiten.
Gestern noch den Abschied einer Kollegin gefeiert, waren in einem Restaurant in dem, wie an vielen Orten hier, Buena Vista Social Club- Musik live gespielt wird.
Ansonsten ist es hier auch nicht unueblich, dass die (Markt)frauen am Abend das Trommeln und Singen und Tanzen anfangen, falls sie gut aufgelegt sind.
Oder Breakdancer auf einer Hauptstrasse dass tanzen anfangen, beeindruckende akrobatische Leistungen vollbringen und sich innerhalb kurzer Zeit mehr als 1000 Zuschauer ansammeln.
Ansonsten hat der Iran der Stadt Conakry Stadtbusse geschenkt und die Regierung wie alle paar Monate gross angekuendigt, dass der Zugverkehr bald wieder aufgenommen wird (wird aber eh nicht passieren, man muss angeblich nur die Radiosendungen mit positiven Nachrichten fuellen).
Nuernberg: Is ja lustig, Nazis wollen unter dem Titel
“Recht statt Rache - Revision der Nürnberger Prozesse”
durch Gostenhof marschieren, na dann viel Spass… .
21. September 2006
So richtig brandneue Infos habe ich nicht.
Ueber den Giftmuell in der Côte d’Ivoire (Elfenbeinkueste) spricht man hier natuerlich auch.
Immerhin mal interessant, dass auch westafrikanische Minister mal die Verantwortung uebernehmen und freiwillig (falls dem so gewesen ist) zuruecktreten.
Ansonsten habe ich jetzt, nach einem Monat rausgefunden, warum Conakry nicht wirklich die schoenste Stadt der Welt ist.
1. Ungewoehnlicherweise sind im Stadtzenrum alle Strassen geteert (ok. ich muss ja zugeben, dass dies ganz praktisch ist, denn ansonsten wuerde hier im August mit waehrend der heftigen (!!) Niederschlaege alles weggeschwemmt werden, bzw. im Schlamm versinken).
2. Und vor allem ist hier im Stadtzentrum alles sehr dicht besiedelt, d. h. in der Stadt wird z.B. nichts angebaut, was in anderen westafrikanischen Staedten nicht unueblich ist. Die Strassen sind sehr eng (so wie in Europa) es gibt keine breiten “buolevards”.
3. Meer gibt s hier egal wo man ist gleich um die Ecke, aber irgendwie profitiert man nicht davon, da ueberall wo Meer ist, Muell ist. Sowas wie einen Strand gibt s hier in der Innenstadt nicht.
Ob man das aber gleich so zusammenfassen muss, wie eine Kollegin von mir, die mich vor meiner Abfahrt wie folgt informiert hat?
??? “Conakry ist ein Hoellenloch, zwar war hier nie Krieg, aber aussehen tut’s so.” ???
Ich denke eher nicht.
Das Essen in der Kantine und auch in vielen Restaurants ist meist mittelmaessig, es gibt praktisch jeden Tag Fisch und vor allem immer nur die selbe Sorte, der gute Fisch wird nach Europa exportiert.
Gestern: Bin gerade durch eine Strasse gelaufen, da schallt s mir mal wieder entgegen: “Ca va mon ami” ,
wie geht’ s, wir kennen uns von der katholischen Mission, schon lange nicht mehr gesehen… .
Naja, bin dann weitergegangen nachdem ich ihm erklaert habe, dass ich ihn nicht kenne, und habe am Abend rausgefunden, dass ich ihn wirklich kenne und dass das einer meiner Nachbarn ist mit dem ich mich Mal unterhalten hatte…. . Passiert mir bestimmt nicht zum letzten Mal.
Hatte einige Tage (4-5) meine Rucksaecke nicht verrutscht -> Gruenschimmel… . Passiert mir bestimmt nicht mehr.
Weil ich so oft gefragt werde wie mein Guineaaufenthalt verglichen mit meinem Togoaufenthalt ist:
Schwer zu vergleichen, da sehr unterschiedliche Rahmenbedingungen (z.B. In Togo Kleinstadt in der Pampa, hier Hauptstadt).
Manche Sachen waren in Togo sicher besser
(mehr Kontakt zur Einheimischen Bevoelkerung, superchillige Kleinstadt),
aber unterm Strich wuerde ich bisher sagen, dass es mir in Guinea noch besser gefaellt (hochinteressante Arbeit (die eigentlich schon in Togo super war, aber in Guinea halt noch besser ist), Grossstadt mit mehr Moeglichkeiten, … .
Heute Abend gehe ich mal zu nem Supermarkt (leaderprize), bin hier bisher noch nie in einem gewesen, bin gespannt, was es da alles zu kaufen gibt… .
Ansonsten kann ich euch zwei Filme empfehlen: “vendetta”+”out of time”.
Das mit der NPD habe ich mitbekommen, ich bin ein eifriger taz-Leser, immerhin scheint mal thematisiert zu werden, dass die ganzen Kameradschaften nicht mehr ausserhalb der NPD agieren, sondern teil von ihr werden/sind.
Na, dann arbeite ich jetzt mal weiter, hab noch n Haufen zu tun.
Bis bald!!
18. September 2006
Naechste Woche geht s los mit einer sozialwissenschaftlichen Analyse.
Eine Woche lasse ich die gesamte “normale” Arbeit liegen und gehe mit einigen Kollegen vom UNHCR und anderen Organisationen Interviews zu einigen Themengebieten durchfuehren.
Zielgruppen sind Fluechtlinge unterschiedlicher Herkunft, unterschiedlichen Geschlechts, unterschiedlichen Alters, z.T. bestimmter benachteiligter “Gruppen” (z.B. unbegleitete minderjaehrige Fluechtlinge) aus verschiedenen Stadtteilen. Wird bestimmt sehr interessant!
Ansonsten habe ich ein kleines “paedagogisches” Computerspiel entdeckt. Ist nicht wirklich umwerfend (rein inhaltlich nicht sonderlich anspruchsvoll) - aber anderseits ganz lustig gemacht:
Wen’ s interessiert - dauert ca. 1 Stunde:
www.lastexitflucht.org
Ein Recht interessanter Artikel zu guineischen Fluechtlingen findet sich hier:
:
Also, bis die Tage!
17. September 2006
Na so sonderlich viel Neues gibt s nicht zu berichten.
Mo-Fr arbeiten gehen, danach heimfahren und Essen gehen.
Die Arbeit ist superspannend und vor allem sehr facettenreich.
XXX
Wo gibt es die beste SACHER-Torte auf dieser Welt?
In Conakry!
Ab sofort geht es jeden Samstag fuer 10 Euro zum besten Brunch der Stadt.
Ein Franzose unterhaelt gleich um die Ecke ein kleines Cafe/Restaurant/Chocolaterie.
Ein Riesenbuffet mit bestens zubereiteten Speisen aus aller Welt in gemuetlicher Atmosphaere - ein Traum.
Laptop: In der Tastatur meiens Laptops haben sich Miniameisen eingenistet.
Etwas makaber aber wahr :
Die Leute haben hier erstaunlich kreative Moeglichkeiten entdeckt, etwas Geld zu verdienen:
Moeglichkeit A:
“Hallo, erkennst du mich nicht mehr - ich bin der Polizist vom Flughafen der deinen Pass gestempelt hat, du musst mit 5 Euro geben sonst…. .”
Statistik: 4 x erlebt.
Moeglichkeit B:
“Hallo, erkennst du mich nicht mehr, wir haben uns letzte Woche kennengelernt, kannst du mit 5 Euro geben, ich habe kein Benzin mehr.”
Statistik: ca. 6 x erlebt
Moeglickeit C:
Du bist mit dem Auto unterwegs, und jemand schiebt seine Waren unter die Reifen: “Du musst mir meine Ware zahlen”.
Moeglichkeit D:
Noch beliebter:
Insbesondere uniformierte Personen schmeissen sich vor dein (fahrendes!) Auto: “du musst mir Geld fuers Krankenhaus geben” - besonders gerne zeigen sie dabei alte laengst verheilte Wunden.
Moeglichkeit C und D habe ich noch nicht selber erlebt, aber meine Kollegen.
Letztendlich kann man immer problemlos verhindern Geld zu zahlen.
Einfach freundlich laecheln, sagen dass man ihn nicht kennt, einen schoenen Tag wuenschen und weitergehen (ok, bei C und D muss man ein bisschen diskutieren).
Ansonsten gibt es hier viele dubiose Personen die man in den Restaurants Conakrys trifft: Diamantenhaendler, alte europaeische Opas in Begleitung von gekauften jungen Maedchen und allerhand andere seltsame Typen.
Aber natuerlich auch viele “normale” Leute.
Also bis bald,
Nic
14. September 2006
Buchhaendler:
Neben ca. zwei Buchlaeden gibt s in Conakry einen tollen Strassenbuchhaendler:
Ein mal ein Buch kaufen, anschliessend fuer jeweils 3 Cent bei ihm gegen ein anderes Buch tauschen.
Ab sofort bin ich neuer Kunde.
Praktisch:
Wie ich heute erfahren habe, wird man als Franzose in Conakry kostenlos vom Arzt der frz. Botschaft behandelt.
Habe heute frueh gleich mal vorbeigeschaut, da ich dachte, dass ich evtl. einen Wurm im Bein habe.
Dem ist aber nicht so, war nur ein leicht infizierter Mueckenstich.
Haette mich auch gewundert, da ich seit dem 3. Tag meiner Ankunft aktiv Wurmbekaempfung betreibe:
Hier in Conakry, darf man Waesche nicht draussen aufhaengen und muss gewaschene Waesche unbedingt buegeln, da sonst Fliegen irgendwelche Eier ablegen und sich spaeter (harmlose) Wuermer in den Koerper fressen.
Nachteil von der Buegelei: Kann ich nicht selber machen, da ich kein Buegeleisen habe - der nette alte Mann, der das macht kennt sich mit “Synthetic-Waesche” nicht so aus -> Waesche z.T. kaputt/geschmolzen.
Aber ehrlich gesagt lieber das, als Wuermer, meine Praktikumsvorgaengerin hatte angeblich 20 Stueck die sie mit der Pinzette rausgezogen hat… . Weitere Details erspare ich euch.
Moskitos: Gibt s hier gluecklicherweise (momentan?) quasi nicht.
Arbeit:
Nachdem letzte Woche Einiges schleppend voranging, habe ich diese Woche richtig viel zu tun.
Nehme diese Woche an einer hochspannenden Fortbildung (Resettlement) teil.
Papst:
Leider hatte ich nicht das Glueck noch in Muenchen zu sein als er gekommen ist, wenn ihr ihn trefft koennt ihr ihn aber gerne mal nach Conakry schicken.
Ich werde ihnen dann mal “meinen” “Schwestern” vorstellen. Die scheinen hier, wie schon in Togo, “Sister Act” entsprungen zu sein, von wegen “Christen sind Langweiler” - hier nicht.
Er muss sich aber ein wenig beeilen, da meine Lieblingsschwester in 2 Wochen nach Abidjan ( Republik Côte d’Ivoire) geht.
Wetter:
Wie immer hat s superangenehme 25 Grad, nur heute regnets mal wieder den ganzen Tag. Ungewoehnlich, da es im September normalerweise max. 1-3 Stundne am Tag regnet.
Sprachprobleme:
Hab mich gewundert warum ich das Englisch der Fluechtlinge oft so schlecht verstehe, da mein Englisch-Hoerverstaendnis eigentlich ganz gut ist.
Loesung: Die sprechen gar kein Englisch sondern z.B. Krio.
Dazu sagt Wikipedia:
Das Krio ist eine in Sierra Leone verbreitete, auf dem Englischen basierende Kreolsprache. Krio ist dort Muttersprache für ca. 10% der Bevölkerung, 472.600 im Jahr 1993, und dient als Verkehrssprache in Politik und Handel. Krio ist eine Tonsprache, d.h. die relative Tonhöhe der Silben ist distinktiv, also bedeutungsunterscheidend. Es gibt drei Toneme: steigend, fallend und steigend-fallend. Ca. 4.000.000, die Mehrheit der restlichen Bevölkerung, nutzt Krio als Pidgin oder Zweitsprache.
Ansonsten wird z.T. auch die Kreolsprache namens Kru gesprochen.
Zu Kreolsprachen im Allgemeinen:
Kreolsprachen sind Sprachen, die in einer Sprachkontaktsituation von mehreren Sprachen entstanden sind, wobei oft ein Großteil des Wortschatzes der neuen Sprache auf eine der beteiligten Kontaktsprachen zurückgeht. Nach dem Prozess der Kreolisierung ist dann vor allem die Grammatik, oft auch das Lautsystem der neuen Sprachen völlig anders als das der beteiligten Ausgangssprachen. (Wikipedia)
Der Ausbau einer Pidginsprache zu einer Kreolsprache erfolgt oft durch die Kinder der Pidgin sprechenden Eltern. Es gibt eine Theorie, welche von Derek Bickerton, Professor für Sprachen an der Universität von Hawaii, in seinem Buch Roots of Language entwickelt wurde, und die davon ausgeht, dass Kinder aufgrund einer „inneren Universalgrammatik“ in der Lage sind, Regelmäßigkeiten aufzuspüren bzw. zu erzeugen und damit eine neue Grammatik zu bilden. Der Wortschatz wird dabei ebenfalls erweitert, besonders, wenn die ursprüngliche Pidginsprache zu ihrer Muttersprache wird und bestimmte Begriffe fehlen. (Wikipedia)
Wikipedia:
Solltet ihr mehr ueber Guinea erfahren wollen, kann euch der Wikiartikel “Guinea” empfohlen werden… .
Ein interessanter Artikel - immer noch aktuell - findet sich in einer Ausgabe der “le monde diplomatique“.
Guineische Staatsabgehoerigkeit:
Wie ich erfahren habe, ist es sehr leicht die guineische Staatsangehoerigkeit zu bekommen. Als Europaer muss man nur nach 9 Monaten einen Antrag stellen, um die Staatsangehoerigkeit 3 Monate spaeter zu bekommen.
Das heisst, ich muesste drei Monate laenger bleiben als geplant.
Waere zwar schoen meine Sammlung zu erweitern, aber die drei Monate ist mir das dann doch nicht wert.
Ansonsten faellt mir gerade nichts Besonderes mehr ein. Naja, von der Arbeit koennte ich eigentlich viel berichten, aber ich denke, dass das nicht jeden so genau interessiert.
Beste Gruesse,
Nic
11. September 2006
Google Analystics berichtet ueber die Besucher dieser Homepage u.a. folgendes:
die
drei beliebtesten Keywords waren:
Besuche %± G1/ Besuch %±
1. aok gesundheitsball 12 200% 0,00% 0%
2. fourchette magique conakry 1 100% 0,00% 0%
3. ASA-Programm 1 100% 0,00% 0%
AOK Gesundheitsball?
Uebrigens kommen 9,47 % der Besucher direkt von www.woistdiesanne.de.vu.
Elf Besucher haben die Homepage seit dem 29.08 zwischen 26 und 50 Mal besucht.