14. November 2006

Hm…

Filed under: GUINEA 2006/2007, Politik - Guinea — Nic um 11:03:14

… ab heute wird mein Pass (zur Visumverlaengerung) trotz Expressbehandlung fuer mindestens zwei Wochen in buerokratischen Behoerden (UN+Staat) sein.
D.h. ab sofort kann ich mich gegenueber den netten Herren mit MG nicht mehr ausweisen…
…das finde ich nicht so toll.
Lapidare Antwort im Buero:
Dann musst du halt daheim bleiben…
…Na super…
…das kann ja witzig werden…
…mit einer einfachen Kopie eines Passes in Conakry rumlaufen…
…Bewegungsfreiheit ade.

13. November 2006

Wasser und Strom

Filed under: GUINEA 2006/2007 — Nic um 17:04:24

So gut wie die einzige Moeglichkeit sich bei den Herbergsmitarbeitern unbeliebt zu machen,
ist es sich bei jedem Stromausfall zu beschweren - das machen manche Europaer pausenlos.
Dafuer haben die Leute hier ueberhaupt kein Verstaendnis, ganz davon abgesehen, dass sie eh nix dran aendern koennen und selber gerne Strom haetten.
Ausserdem laesst es zwischendurch auch Mal ohne Strom leben…
…Nerviger ist es hingegen wenn man kein Wasser hat, wie es an vier der letzten sechs Tage der Fall war.
Vielleicht sollte ich doch mal ne Tonne oder einen Kanister kaufen um Wasser zu bunkern.
Ich fuehle mich langsam wie ein Hamster Wasser bunkern, Batterien bunkern, Papier bunkern …
… Apropos Papier, da ich so oft gefragt wurde: Ja ich habe in der Zwischenzeit wieder Papier, allerdings nur noch fuer ein, zwei Tage, mal schauen wie es dann weitergeht.
Pass: Habe letztendlich rausgefunden, dass mein Arbeitgeber sich darum kuemmert, muss also doch nicht meine Connections aktivieren.

11. November 2006

Markttag

Filed under: GUINEA 2006/2007 — Nic um 21:22:20

Heute frueh bin ich im Reisebuero gewesen, ich glaube die haben versucht einen Schneesturm (ohne Schnee) zu simulieren: Klimaanlagen auf null Grad eingestellt (?), und so stark, dass ein kalter Wind herrscht.
Ich muss mal fuer meinen naechsten Besuch schauen, ob ich hier auf dem Markt, wie in Togo, einen Schneeanzug finde.
Apropos Markt:
Eigentlich wollte ich zum grossen Markt von Madina, habe es mir dann aber doch ausreden lassen, dafuer bin ich mit einem Freund beim Markt “Niger” gewesen der nicht so krass ist.
Dort habe ich mir einen “Feiertagsboubou” (so ne Art ‘traditionelles’ Gewand - modern geschnitten) rausgelassen. Hat ne Menge Zeit gekostet zu verhandeln, hat aber auch Spass gemacht: Irgendwann gehst du, weil dir der Preis nicht passt, 5 Minuten spaeter findet dich der Verkaeufer am anderen Ende vom Markt um weiterzuverhandeln, spaeter schaust du noch mal vorbei, handelst weiter, gehst wieder und kaufst dann. Naja, bei “groesseren” Einkaeufen muss man dann schon mal auf guineische Art feilschen, bei Kleinkram geht das natuerlich wesentlich schneller.
Pass: Alle haben mir tunlichst davon abgeraten zum Amt zu gehen, um mein Visum zu verlaengern.
Jetzt muss ich diese Woche meine Connections aktivieren, damit die das fuer mich regeln. Zeigt mal wieder, dass in Westafrika ohne Beziehungen gar nichts geht.

bis bald!
Nic

10. November 2006

Diamanten

Filed under: GUINEA 2006/2007, Politik - Guinea — Nic um 12:37:37

Habe heute frueh ein wenig Zeit gehabt und mich ein wenig ueber Diamanten informiert, da hier in Guinea, Liberia und Sierra Leone viel darueber geredet wird.
Fuer diejenigen, die Interesse am Thema haben, folgend ein paar Zusammenfassungen, Anmerkungen und Links:

Aus der Sueddeutschen: http://www.sueddeutsche.de/
“Blutdiamanten
Kann denn Glitzern Sünde sein?
Ein neuer Film mit Leonardo DiCaprio prangert den Handel mit Blutdiamanten an - und animiert die Diamantenindustrie zu einer wahren PR-Schlacht

Die Diamanten-Industrie ist dafür bekannt, dass sie ihre Geschäfte am liebsten diskret tätigt. Doch ganz untypisch hat die Branche nun eine millionenschwere weltweite Kampagne gestartet, um ihren Ruf zu verteidigen.
Der Anlass kommt aus Hollywood. In dem US-Film „Blood Diamond“ spielt Leonardo DiCaprio einen skrupellosen Schmuggler aus Südafrika, der in Sierra Leone während des Bürgerkriegs der 90er Jahre auf der Jagd nach einem besonders seltenen Edelstein ist.
Für die Diamantenbranche stellt der Film, der im Dezember in den USA und Ende Januar in Deutschland in die Kinos kommt, ein PR-Trauma dar. Denn er dürfte die Debatte um die „Blutdiamanten“, mit denen Warlords in Afrika ihre Kriege finanzieren, weltweit neu anheizen.

Das Werk von US-Regisseur Edward Zwick bringt einen der brutalsten Konflikte der jüngeren afrikanischen Geschichte auf die Leinwand.
In dem Bürgerkrieg in dem kleinen westafrikanischen Land wurden zwischen 1991 und 2001 bis zu 200.000 Menschen getötet und tausende weitere verstümmelt - das systematische Abhacken von Gliedmaßen gehörte zu den Praktiken dieses Krieges.

Ihren Kampf finanzierten die Rebellen in Sierra Leone mit dem Verkauf illegal geschürfter Rohdiamanten. Die „Blutdiamanten“ sorgten seither für weltweite Empörung. Unter diesem Schlagwort haben Menschenrechtler nicht nur die schmutzigen Geschäfte mit den Edelsteinen angeprangert, sondern auch die brutalen Bedingungen, unter denen sie von den Arbeitern geschürft werden.

Kein Wunder also, dass das Hollywood-Epos mit Starbesetzung die Diamantenbranche schon jetzt in höchste Unruhe versetzt. Der Branchenverband World Diamond Council gibt 15 Millionen Dollar (knapp zwölf Millionen Euro) dafür aus, den Imageschaden zu begrenzen. …..”

Anmerkungen:
Ein nicht geringer Anteil an den sog. “Blutdiamanten” wurde uebrigens ueber Guinea verkauft.
In Guinea gibt es uebrigens auch Diamanten, ein Arbeitskollege hat frueher als Kind/Jugendlicher selber welche “geschuerft”.
Noch mehr spannende Diamantangeschichten gibt es fuer Interessierte bei meiner Rueckkehr… .
Viele Politikwissenschaftler gehen uebrigens davon aus, dass der Krieg in Sierra Leone nicht unwesentlich ein Kampf um Diamanten war, ich kann aber nicht sagen ob ich auch dieser Meinung bin, dazu weiss ich zu wenig ueber die aeusserst komplexen Konflikte in Sierra Leone (und Liberia).

Die Gegenkampagne von “De Beers” ist schon angerollt, was man z.B. an diesem FAZ Artikel vom 26.10.06 sehen kann:
www.faz.de/rub16

Mit 80% Wahrscheinlichkeit wird zum Kinostart in “Spiegel” und Co Werbung von De Beers sein, die beinhaltet, dass De Beers soziale Projekte foerdert oder alle ihre Diamanten “zertifiziert” sind oder so was in der Art.
Das finde ich dann ungefaehr so ueberzeugend wie die seit einigen Monaten existierende “Esso” und “Total”-Werbung die beschreibt, wie umweltfreundlich ihr Unternehmen ist.

Vor ein paar Jahren schrieb die AG-Friedensforschung der Uni Kassel bezueglich einem Doku-film des ARD zum Thema Blutdiamanten:
(http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/regionen/Afrika/diamanten-ard.html)
“Wie einfach es für skrupellose Händler ist, mit Blutdiamanten unvorstellbare Gewinne zu machen, dafür liefert das ARD-Team den Beweis: Die Rohsteine werden in Sambia problemlos auf der Straße gekauft und von den Behörden – gegen Schmiergeld – legalisiert. Über Johannesburg, wo der Preis der Steine bereits deutlich gestiegen ist, gelangen die Diamanten der angolanischen Rebellen nach Antwerpen und werden hier geschliffen. Nach ihrer Herkunft fragt niemand. Und dann werden sie in Deutschland weiterverarbeitet, und – wären in den Handel gelangt, wenn man den Prozess nicht in letzter Sekunde gestoppt hätte.
Weltweite aufwändige Recherchen und Dreharbeiten in Afrika und Europa beweisen, wie ernst man die Behauptung der Industrie nehmen kann, das Problem der Blutdiamanten sei gelöst. ”

Soviel zum Thema “Politik”, naechstes Mal gibt es wieder Infos bezueglich meines Aufenthaltes.
Schoene Gruesse ,
Nic

08. November 2006

Filed under: GUINEA 2006/2007 — Nic um 11:59:55

Warum ich nicht so aussehe

b

sondern so

b

??

Ganz einfach, weil ich den ganzen Tag im Buero verbringe und somit nur selten Sonnenstrahlen abbekomme.

Visum

Filed under: GUINEA 2006/2007, Politik - Guinea — Nic um 10:09:45

Diese oder naechste Woche werde ich mal meinen Pass verlaengern.
Das kann ja lustig werden.
Warum?
Weil ich nix “extra” zahlen will.
Siehe vorherigen Eintrag.
Na, ich halte euch am Laufenden.

Tipp 9:
Wenn du in der Innenstadt spazierengehen willst, pass auf.
Es gibt Strassen die man nicht betreten darf.
Diese sind aber nicht gekennzeichnet, nur in seltenen Faellen gibt es Strassensperren.
Wenn du diese Strassen betrittst hast du erst einmal ein grosses Problem, da du von der bewaffneten “Sicherheit” umzingelt wirst und ein wenig ausgequetscht wirst.
Am besten du rufst dann “jemanden” an, der dich abholt.
PS: Ist mir noch nicht passiert, da ich sehr stark aufpasse, aber regelmaessig kommt ein Mitbewohner zurueck, der einem von so einer “Exkursion” erzaehlt.

07. November 2006

- Guinea ist “”Testsieger”" -

Filed under: GUINEA 2006/2007, Politik - Guinea — Nic um 18:53:08

Beim (heute?) herausgekommenen Jahresbericht der recht serioesen NGO “Transparency International” hat Guinea den Platz des korruptesten Landes in Afrika bekommen.
Na, da bin ich schon fast erleichtert… . Togo, Burkina Faso fand ich bezogen auf die Korruption im Vergleich zu Guinea noch ganz ok,
aber jetzt hatte ich schon befuerchtet, dass es vielleicht noch mehr so krasse Laender in Afrika gibt, was Korruption angeht.
Weltweit ist Guinea auf Platz vier gelandet (nach Birma, Haiti und Irak).
Mehr Infos zu TI gibt s auf: www.transparency.org
Die deutsche Schwesterseite www.transparency.de schreibt:
“Der CPI 2006 ist ein zusammengesetzter Index. Er basiert auf einer Vielzahl von Umfragen bei Experten, in denen die Wahrnehmungen von Korruption im öffentlichen Sektor in 163 Ländern untersucht werden. Der CPI 2006 erfasst damit mehr Länder als je zuvor. Für jedes untersuchte Land vergibt der CPI einen Punktwert zwischen null und zehn, wobei ein Wert von null Punkten ein besonders hohes Maß an wahrgenommener Korruption angibt, während zehn Punkten bedeuten, dass in diesem Land kaum Korruption wahrgenommen wird.”

“Die großen Korruptionsprobleme in vielen Ländern verweisen auch auf den Stellenwert, den Handlanger der Korruption weiterhin haben. Sie helfen den politischen Eliten, ihren unrechtmäßig erworbenen Reichtum – der nicht selten aus geplünderten Staatskassen stammt – an sicherer Stelle aufzubewahren, zu waschen und zu nutzen. Solche willigen Handlanger, die korruptes Handeln oft erst ermöglichen und lohnend machen, sind häufig in den führenden Volkswirtschaften ausgebildet worden oder operieren von diesen aus. Die Korrupten können sich darauf verlassen, dass es Banker, Wirtschaftsprüfer, Anwälte oder andere Spezialisten gibt, die Unterstützung anbieten, unrechtmäßiges Vermögen aufzubauen, zu verschieben und an sicherer Stelle aufzubewahren.”
(beides: http://www.transparency.de/Corruption-Perceptions-Index-2.950.0.html)

Am Rande angemerkt: in Deutschland hat die Regierung bis heute nicht die UN-Konvention gegen Korruption unterzeichnet.
Ganz interessant welche Konventionen Deutschland nicht ratifiziert hat, bzw. nur mit komischen Vorbehalten (z.B. der deutsche Vorbehalt der Kinderrechtskonvention (!) fuer nicht-deutsche Kinder).