20. Februar 2007

Kurzes Dakar-Update

Filed under: SENEGAL 2007 — Nic um 14:32:25

Einen langen, detaillierten Bericht der letzten “ereignisreichen” Wochen findet ihr unter den beiden Fotos oder hier. Von Guinea aus war es nicht moeglich wirklich viel zu berichten.
XXX
Ich habe nun gestern das Arbeiten im Buero von Dakar angefangen, ansonsten ziehe ich vielleicht in eine Wohnung die sich im Stadtteil (quartier populaire) “Geulle Tape” befindet.
Ich werde definitiv in Dakar bleiben und beginne langsam mich einzuleben!
Die Arbeit klingt ganz interessant - und ich werde wohl auch ein wenig durch Senegal reisen muessen was ich ganz nett finde (da ich schon von Guinea NUR die Hauptstadt gesehen habe - es war zwar geplant im Januar fuer eine Mission zur liberianischen Grenze zu reisen, aber das ist ja bekanntlich ausgefallen).
In Dakar ist es uebrigens furchtbar kalt - ohne Pulli braucht man abends nicht aus dem Haus zu gehen, die Temperaturen fallen auf eisige 18-19 Grad.
Uebrigens berichtet die taz regelmaessig und qualitativ hochwertig von der Lage in Guinea - Dominic Johnson ist nunmal der beste Afrikakorrespondent der deutschen Presse.

Und mal wieder einen Verweis auf einen guten taz-Artikel von gestern… .

Vor unserem Haus in Conakry

Filed under: GUINEA 2006/2007, Photos, Politik - Guinea, SENEGAL 2007 — Nic um 09:54:21


Keine Sorge, das Foto ist nicht von mir - das ist mir ein wenig zu gefaehrlich solche Fotos zu schiessen… .
… da besteht die reale Gefahr, dass zurueckgeschossen wird…

Ueber unserem Haus in Conakry

Filed under: GUINEA 2006/2007, Photos, Politik - Guinea, SENEGAL 2007 — Nic um 09:51:21


An jedem zweiten Tag kreisen diese netten Hubschrauber ueber Conakry, am anderen Tag sind es Kampfflugzeuge. Einziges Ziel: Die Bevoelkerung einzuschuechtern.

EVAKUIERUNG AUS GUINEA + Generalstreik +Ankunft in DAKAR, SENEGAL

So, heute mal ein paar mehr Infos.
Die letzten Tage gab es ein kleines Serverproblem, so dass die Homepage nicht erreichbar war.
Vorab sorry, dass ich teilweise nicht zu sehr in Details gehen kann.

A

Rückblick Nr.1:

EVAKUIERUNG AUS GUINEA/Conakry:

1.Etappe: Rucksack aufgesattelt, Taschen geschultert (35 kg):
als erstes muss man zum Treffpunkt x wandern (ca 2-3 km) und dabei die Sperrzeit brechen (Ausgang aus dem Haus ist nur noch ein paar Stunden am Tag erlaubt).
Alles ist bestens organisiert, Person x kommt, die aufgrund von y besonders geschützt ist und mich begleiten wird.
Die Reise kann losgehen.
Auf die Strasse raus, durch „Schleichweg“ gen z.
Immer wieder biegen wir ab, wenn wir unsere Freunde in Uniform irgendwo rumstehen sehen und werden zwischenzeitlich immer wieder von ein-zwei Bewohnern des Stadtviertels begleitet.
500 m vor unserem Ziel schließlich passiert was passieren musste:
Wir werden von „berets rouge“ aufgehalten - er will uns verhaften - nach kurzer Diskussion und 100.000 Franc GN können wir weiter.
Wir erreichen unser Ziel.
2.Etappe: Jetzt geht es mit dem Auto im Konvoi zum Flughafen. Uns macht man keine Probleme. Aber wie es halt so ist werden mal wieder von Soldaten am Straßenrand willkürlich irgendwelche Leute zusammengeschlagen. 20 km später erreichen wir unser Ziel.
3.Etappe: Es sind für uns zwei große Flugzeuge gekommen, wir steigen ein und fliegen nach Dakar. Dort werden wir empfangen zu einem Hotel gefahren.

Rückblick Nr.2:

EINREISE IN GUINEA:

Irgendwann zwischen Anfang-Mitte Februar:

So richtig lang war mein Aufenthalt in Guinea dieses mal ja nicht.
Ich hatte Anfang des Monats grünes Licht für eine Rückreise bekommen, da sich die Lage nach zwei Wochen Generalstreik wieder entspannt hatte und wir davon ausgingen, dass sich die Lage eher verbessern würde.
Aufgrund der Massenproteste hatte der verhasste Präsident/Diktator eingeknickt und beschlossen einen Premierminister zu ernennen, der nicht aus dem Umkreis der „Regierenden“ kommt.
Nach zwei-drei Arbeitstagen war es soweit. An einem Freitag Abend ernannte Conté eine Marionette aus seiner Partei als Premier, und im selben Moment begannen landesweit Proteste. Wir waren gerade auf einer Party außerhalb der Innenstadt, hatten es aber noch so geschafft in ein Taxi zu steigen und nach Hause zu düsen, auf den Straßen waren die ersten brennenden Barrikaden der Bevölkerung aufgebaut.

Bei mir im Viertel/in der Strasse (und scheinbar so gut wie nur bei mir!) ist es abgesehen von  Maschinengewehrsalven am Tag und in der Nacht ruhig geblieben, das einzige nennenswerte ist noch, dass aufgrund unserer geographischen Lage dauernd Soldaten, Milizen, Aufstandsbekämpfung oder was auch immer für Einheiten an uns vorbeifuhren.

Im ganzen Land sind am letzten Wochenende unzählige Regierungsgebäude (aber auch Supermärkte, Tankstellen) abgefackelt wurden. Die Bevölkerung empfand die Ernennung als absolute Unverschämtheit und wollen alle einen Regierungswechsel. Sie haben die Schnauze voll von der herrschenden korrupten (Guinea ist das korrupteste Land Afrikas nach Transparency International) Elite die sich seit über zwei Jahrzehnten an der Macht hält.
Der Präsident hat dann noch vor 10 Tagen schnell eine Bank ausgeraubt (eigentlich zwei, da die erste nicht genügend Bargeld hatte und das Personal gezwungen wurde Geld von einer andern zu holen), um seine Soldaten bei Laune zu halten. Außerdem hat er noch schnell alle befördert.
Zudem hat er scheinbar diesmal nicht wie im Januar Soldaten aus dem Land Guinea –Bissau geordert sondern eventuell (NOCH NICHT BESTÄTIGT – könnte rein theoretisch auch ein Gerücht sein) 400 (Ex)Rebellen aus Liberia (ULIMO, die Conte (angeblich mit Hilfe der USA?) gegen Charles Taylor unterstützt hatte, der wiederum von Campoare aus Burkina Faso unterstützt wurde, der wiederum von Frankreich unterstützt wird…. – Westafrika halt), mit denen nicht zu spaßen ist.
Wer von euch Blood Diamonds gesehen hat weiß warum (ja ok, der Film spielt in Sierra Leone, aber von der Grundart ist in Liberia manches ähnlich gewesen).
Radiostationen, die so oder so nichts wirklich kritisches gesagt haben, und die erst im Sommer letzten Jahres zugelassen worden sind (davor gab es nur staatliche Radios) wurden z.T. gestürmt und zerstört, z.T. geschlossen. Aus dem staatlichen Radio dudeln irgendwelche komischen Lieder. Auch die internationalen Sender RFI (Radio France International) und die Deutsche Welle wurden auf FM geschlossen.

Auf jeden Fall hat es am Wochenende ziemlich gekracht, am Montag Abend wurde dann von Conté das Kriegsrecht ausgerufen. Wie die Guineer sagen, hat der Präsident nun 9.000.000 Geißel – „seine“ Bevölkerung.
Seitdem haben die Soldaten alle Rechte und können Tun was sie wollen (Verhaften, Beschlagnahmen, Schusswaffen einzusetzen) – was sie auch tun.
Die Soldaten plündern, vergewaltigen, foltern, schießen etc. man kann durchaus sagen, dass Terror herrscht.
Seit dem Wochenende sind mindestens 200 Menschen erschossen worden, die wahre Zahl liegt sicher drüber, Leichen werden eingesammelt um keine belegbaren Spuren zu hinterlassen.
Um die Bevölkerung einzuschüchtern stehen Panzer auf den Kreuzungen, fliegen abwechselnd Kampfflugzeuge oder Kampfhubschrauber niedrig über die Innenstadt.
Wie es weitergehen wird ist vollkommen unklar.
Es heißt, dass an diesem Wochenende Hunderte von Verhaftungen von angeblichen Oppositionellen stattfanden.
Die Gewerkschaften (die Initiator der ursprünglich „sozialen Kämpfe“ gewesen sind) melden sich aktuell kaum/nicht zu Wort.
Die Ausmaße des Terrors werden einem auch klar, wenn man sieht wie viele Bekannte und Kollegen Opfer (zum Glück noch keine Todesfälle im näheren Bekanntenkreis) geworden sind:
Manche die eine Kugel abbekommen haben, andere die mit Maschinengewehr von Soldaten beschossen worden sind, als sie legal mit dem Auto unterwegs gewesen sind (einem wurde das ganze Fahrzeug komplett zerstört), viele Personen die verprügelt worden sind oder dessen Haus ohne Grund von Soldaten gestürmt worden sind.
Sprich die Liste ist lang, zu lang und vor allem noch nicht vollständig, da viele nicht zu erreichen sind (kein Strom bedeutet, dass der Handyakku irgendwann leer ist).
Sprich die Lage ist katastrophal, umso mehr, da die Bevölkerung unter Nahrungsmittelknappheit leidet, da aufgrund der Sperrzeiten nichts mehr in die Stadt reinkommt (die Preise hatten sich schon vor meiner Evakuierung mehr als verdoppelt).
Über 2000 Franzosen (hatte gar nicht gewusst, dass es so viele gibt – habe nie welche kennen gelernt), sitzen allein in Conakry fest.
Die Flüge sind über mehrere Tage hinweg ausgefallen, die Warteliste beinhaltet Hunderte von Namen, die Reise zum Flughafen ist ein wenig gefährlich.
Aufgrund der geographischen Lage ist die Stadt Conakry quasi ein Gefängnis – ein Mal drinnen kommt keiner so einfach raus, da es nur eine Strasse aus der Stadt gibt.
Laut Presse ist gerade ein französisches Schiff für die Evakuierung unterwegs, laut Presse wurden die Amerikaner bereits evakuiert.
Apropos Presse: Die deutsche Presse gibt teilweise falsche Informationen raus, z.B. hätte Conté einen Bürgerkrieg mit der Ausrufung der Kriegsrechtes verhindern wollen:
Das ist insofern falsch, da die Bevölkerung über lange (!) Zeit hinweg für Kompromisse bereit war und eine friedliche Änderung problemlos möglich gewesen wäre.

Richtig ist, dass es momentan unklar wäre wie es weitergehen würde, wenn die Regierung auf einmal „verschwinden“ würde. Viele hoffen, dass „progressive“ Soldaten einen Putsch organisieren und vorübergehend die Macht übernehmen, wobei hier natürlich auch die Gefahr besteht in die nächste Diktatur zu „rutschen“, sollten diejenigen die die Macht an sich reißen doch nicht so progressiv sein.

Im Grunde genommen ist Guinea ein exemplarisches Beispiel dafür, wie ein Land welches Potential besitzt von einer herrschenden Elite komplett runtergewirtschaftet wird.
Im Übrigen bin ich persönlich der Meinung, dass für die schlechte Situation in (west)afrikanischen Ländern oftmals zu einem Großteil eine Machtelite verantwortlich ist, die damit beschaeftigt ist ihre Schweizer Konten zu fuellen und dabei mitunter auch noch von “westlichen” Laendern unterstuetzt wird.

 Bei uns in  der Unterkunft hatte sich eine seltsame Mischung an versammelt.  Dubiose Personen (denen säckeweise(!!!) Geldscheine von Soldaten ins Zimmer getragen wurde, Touristen (die jeden Tag angespannter sind und immer mehr Ticks entwickelten), Entwicklungshelfer die kein Wort sprechen, westafrikanische Leute die auf GEschäftsreise sind und immer wieder mal einen Ausbruchsversuch aus der Stadt probieren - ohne Erfolg.  Die Essensrationen wurden immer kleiner (schon komisch hungrig den Mittagstisch zu verlassen, aber immerhin hatten wir überhaupt noch Reisvorräte).  Zwischenzeitig hatte ich mal das angebot für 1000 € zu versuchen mit einem Motorboot nach Freetown (Sierra Leone) zu fliehen.

An Herrn J.G. aus L.: Kannst du alle Artikel wieder freigeben bzw. mir ne Mail schicken wie ich das machen muss?
Fotos werde ich die nächsten Tage uploaden.

ANKUNFT IN DAKAR 

Am letzten Freitag sind wir dann zu ins Regionalbüro (in Dakar, Senegal) unsere Kollegen besuchen gegangen. Und wenn haben wir getroffen?
Den ersten Guineer der um internationalen Flüchtlingsschutz bittet…. .
DAKAR - Samstag

Dakar,
Dakar wird gerne verglichen mit Paris,
meiner Ansicht ähnelt Dakar viel mehr Istanbul. Zumindest in der Innenstadt.
Hier gibt es einfach alles, hätten die Menschen nicht überwiegende eine schwarze Hautfarbe (es gibt übrigens über 20.000 Franzosen die hier dauerhaft leben!), würde man gar nicht meinen in Westafrika zu sein.
Dakar.
Dakar ist einfach zu groß. Angeblich wohnen hier (im Ballungsgebiet) 4 Millionen Menschen dicht gedrängt auf engem Raum, da Dakar wie Conakry, wenn auch weniger krass, ins Meer ragt.

Dakar gilt als Perle Westafrikas, Senegal als eines der Länder mit der „besten Regierungsführung Afrikas“ (was auch immer man darunter verstehen mag) – beeindruckend ist es schon wenn man an Burkina Faso, Benin, Togo oder Guinea gewöhnt ist und dann in Westafrika ein solches Land findet.
Aber Dakar ist mir einfach auf den ersten Blick ein wenig zu groß, zu chaotisch und zu laut.
Vielleicht bin ich auch ein wenig ungerecht gegenüber Dakar, da ich lieber in einem friedlichen Guinea geblieben wäre, wo meine Wohnung war, wo meine Freunde sind, auf die ich mich so gefreut hatte sie wiederzusehen, wo ich alltäglich gelebt hatte und gerne gearbeitet hatte und jetzt mal wieder bei 0 anfangen muss.
Hier gibt es Buslinien, es heißt man darf keine Bestechungsgelder zahlen, man kann ohne Pass herumlaufen (!)… man braucht nicht einmal ein Visum.
Etwas ziellos schlendere ich am Markt vorbei durch die Innenstadt, durch das Regierungsviertel, durch ein Villenviertel, durch ein quartier populaire.

Ziellos, warum?
Ziellos, weil ich überraschend (es hätte ja auch Freetown/Sierra Leone werden können) hierher gekommen bin.
Ziellos, weil ich noch nicht genau weiß wie es weitergehen wird.
Es sieht danach aus, als ob ich hier evtl. in Dakar im Regionalbüro (für Senegal, Mali, Gambia, Guinea-Bissau) weiterarbeiten werde. Wenn nicht könnte es mich nach Kamerun verschlagen, wo es scheinbar u.a. aufgrund der Situation im Tschad viel zu tun gibt.
Hier in Senegal muss eine eventuelle Ankunft von guineischen Brüdern und Schwestern vorbereitet werden.
Ziellos da ich gerade eine Wohnung suchen muss, für den Fall, dass ich hier bleibe.
Danke unter anderem an den Taxifahrer, der mir von „Fann Hock“ Richtung „Plateau“ erzählt hat, ich solle doch mal in die Apotheke von „Ouakam“ schauen, das werde ich morgen mal machen. Die könnten mir vielleicht weiterhelfen.
Übrigens sind hier am nächsten Samstag Präsidentschaftswahlen.

19. Februar 2007

Infos

Filed under: GUINEA 2006/2007, SENEGAL 2007 — Nic um 12:56:06

Sorry, es gab fuer ein paar Tage ein kleines Serverproblem.
Morgen gibt es mehr Infos, eine Zusammenfassung der letzten Tage habe ich schon geschrieben, allerdings habe ich diese auf einen USB-Stick, den ich bis morgen verliehen habe… .

15. Februar 2007

WO IST DER NIC

Filed under: GUINEA 2006/2007, Politik - Guinea, SENEGAL 2007 — Nic um 23:16:13

IN SENEGAL.

Wie es dazu kommt ist eine laengere Geschichte, wir haben es tatsaechlich geschafft das Land zu verlassen,
mir geht es sehr gut,
bin jetzt in Dakar (hauptstadt von Senegal)
leider habe ich gerade ueberhaupt keine Zeit naeheres zu schreiben, morgen oder uebermorgen gibt es naehere Infos.

14. Februar 2007

Mittwoch

Filed under: GUINEA 2006/2007, Politik - Guinea — Nic um 11:56:16

Auch heute Abend ist es relativ ruhig. Morgen komme ich erst abends im Internet.

Bereits letzte Nacht ist überwiegend Ruhe eingekehrt in Conakry.
Und es scheint so, als ob es erst einmal die nächsten Tage so bleiben wird, bevor es wieder unruhiger werden könnte.
Strom gibt es nicht mehr regelmässig, auch fliessend Wasser haben wir erst einmal in unserem Haus nicht mehr (wohl aber in Tüten abgepacktes Reservewasser für mehrere Wochen).
Ansonsten gibt es eigentlich nichts besonderes zu berichten.
Wir sind, wenn es Strom gibt, auch weiterhin am Computerspielen und unterhalten uns mit unseren Mitbewohnern und Freunden - komischerweise vergehen die Tage trotzdem sehr schnell - langweilen tun wir uns nicht und die Stimmung ist für die Verhältnisse gesehen, äusserst gut.
Ansonsten lohnt sich für Interessierte wie immer ein Onlineblick in die taz.
Auch die Junge Welt berichtet regelmaessig ueber die Lage in Guinea… .